Stellungnahme StoffstrombilanzVO

19.06.2017

Als Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e. V. (BVA) und Bundesverband der VO-Firmen e. V. (BVO) vertreten wir die Interessen des privaten Agrarhandels sowie der Vermehrungs-Organisationsfirmen für die Bereiche Getreidesaatgut, Leguminosen, Feldsaaten und Öko-Saatgut in Deutschland. Unsere Mitgliedsunternehmen vertreiben unter anderem Pflanzenschutz- und Düngemittel an die Landwirtschaft, produzieren und vertreiben qualitativ hochwertiges Saatgut und bringen mit ihrer Tätigkeit Züchtungsfortschritt, genetische Vielfalt sowie kontrollierte Qualität in die breite landwirtschaftliche Praxis. Damit nehmen unsere Mitgliedsunternehmen eine entscheidende Rolle in der Wertschöpfungskette der landwirtschaftlichen Produktion ein.

Grundsätzlich begrüßen wir, dass mit dem vorliegenden Verordnungsentwurf ein nachhaltiger und ressourceneffizienter Umgang mit Nährstoffen im Betrieb sichergestellt und hierbei Nährstoffverluste in die Umwelt so weit wie möglich vermieden werden sollen. Der Verordnungsentwurf sieht vor, für die Ermittlung der dem Betrieb zugeführten und der vom Betrieb abgegebenen Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphor für pflanzliche Erzeugnisse aus Ackerkulturen die Werte nach Anlage 1, Tabelle 1 der Verordnung zu berücksichtigen. In dieser Tabelle 1 erfolgt für den überwiegenden Teil der aufgeführten Erzeugnisse eine Differenzierung nach Rohproteingehalt. In der Verordnung wird jedoch nicht dargelegt, wie mit Erzeugnissen umgegangen werden soll, deren Rohproteingehalt nicht den in der Tabelle angegebenen Werten entspricht. Um Unsicherheiten bei der Bilanzierung der Stoffströme vorzubeugen, sollte eine Klarstellung erfolgen, welche Stickstoff- und Phosphorgehalte bei abweichenden Werten im Rohproteingehalt anzusetzen sind.

Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass lediglich für die Kulturarten Weizen und Braugerste der Rohproteingehalt ein abrechnungsrelevanter Parameter ist und somit nur für diese beiden Kulturarten bei der Erfassung ermittelt wird. Bei allen anderen in Anlage 1, Tabelle 1 aufgeführten Kulturarten liegen in der Wertschöpfungskette keine Informationen zum Rohproteingehalt vor. Für sämtliches in Verkehr gebrachtes Saatgut und Vermehrungsmaterial wird aktuell ebenfalls an keiner Stelle der Wertschöpfungskette der Rohproteingehalt erfasst, da er kein saatgutrelevantes Parameter darstellt. Es müsste ein gesamter Messapparat aufgebaut werden, um den Rohproteingehalt in Saatgut aber auch Kulturarten außer Weizen und Braugerste flächendeckend zu erfassen. Die hierdurch entstehende technische und logistische Mehrbelastung steht aufgrund der sehr geringen Mengen in keinem Verhältnis zu dem dadurch entstehenden Nutzen.

Für eine praktikable Umsetzung der Stoffstrombilanzierung in der Praxis, fordern wir daher mit Nachdruck, von einer Differenzierung nach Rohproteingehalt abzusehen und stattdessen für Kulturarten bei denen der Rohproteingehalt kein abrechnungsrelevanter Faktor ist, Standardwerte für die anzusetzen-den Stickstoff- und Phosphorgehalte zu etablieren.

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