Stellungnahme StoffstrombilanzVO

15.05.2017

Als Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e. V. (BVA) und Bundesverband der VO-Firmen e. V. (BVO) vertreten wir die Interessen des privaten Agrarhandels sowie der Vermehrungs-Organisationsfirmen für die Bereiche Getreidesaatgut, Leguminosen, Feldsaaten und Öko-Saatgut in Deutschland. Unsere Mitgliedsunternehmen vertreiben unter anderem Pflanzenschutz- und Düngemittel an die Landwirtschaft, produzieren und vertreiben qualitativ hochwertiges Saatgut und bringen mit ihrer Tätigkeit Züchtungsfortschritt, genetische Vielfalt sowie kontrollierte Qualität in die breite landwirtschaftliche Praxis. Damit nehmen unsere Mitgliedsunternehmen eine entscheidende Rolle in der Wertschöpfungskette der landwirtschaftlichen Produktion ein.
Grundsätzlich begrüßen wir, dass mit dem vorliegenden Verordnungsentwurf ein nachhaltiger und ressourceneffizienter Umgang mit Nährstoffen im Betrieb sichergestellt und hierbei Nährstoffverluste in die Umwelt so weit wie möglich vermieden werden sollen.Der Verordnungsentwurf sieht vor, für die Ermittlung der dem Betrieb zugeführten und der vom Betrieb abgegebenen Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphor für pflanzliche Erzeugnisse aus Ackerkulturen die Werte nach Anlage 2, Tabelle 1 der Verordnung zu berücksichtigen. In dieser Tabelle 1 erfolgt für den überwiegenden Teil der aufgeführten Erzeugnisse eine Differenzierung nach Rohproteingehalt. In der Verordnung wird jedoch nicht dargelegt, wie mit Erzeugnissen umgegangen werden soll, deren Rohproteingehalt nicht den in der Tabelle angegebenen Werten entspricht. Um Unsicherheiten bei der Bilanzierung der Stoffströme vorzubeugen sollte eine Klarstellung erfolgen, welche Stickstoff- und Phosphorgehalte bei abweichenden Werten im Rohproteingehalt anzusetzen sind.
Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass lediglich für die Kulturarten Weizen und Braugerste der Rohproteingehalt ein abrechnungsrelevanter Parameter ist und somit nur für diese beiden Kulturarten bei der Erfassung ermittelt wird. Bei allen anderen in Anlage 2, Tabelle 1 aufgeführten Kulturarten liegen in der Wertschöpfungskette keine Informationen zum Rohproteingehalt vor. Für eine praktikable Umsetzung der Stoffstrombilanzierung in der Praxis, fordern wir daher für diese Kulturarten von einer Differenzierung nach Rohproteingehalt abzusehen und stattdessen für Kulturarten bei denen der Rohproteingehalt kein abrechnungsrelevanter Faktor ist, Standardwerte für die anzusetzenden Stickstoff- und Phosphorgehalte zu etablieren.
Als BVA und BVO ist es uns fachlich nicht nachvollziehbar und wir bezweifeln den Nutzen, Saatgut als Betriebsmittel in die Stoffstrombilanz aufzunehmen. Legt man beispielsweise für Winterweizen eine Aussaatmenge von 200 kg pro Hektar zugrunde, kommt man nach Anlage 2, Tabelle 1 des Verordnungsentwurfs auf lediglich 3,62 kg Stickstoff je Hektar (bei 12 % Rohproteingehalt). Selbst mit zusätzlicher Mikronährstoffbehandlung entstehen keine nennenswerten Mengen, wie nachfolgende Beispielrechnungen zeigen:
Behandlungsmittel: Mobil
Inhaltsstoffe laut Herstellerangaben:

Behandlungsmittel: Mobil

Inhaltsstoffe laut Herstellerangaben:

 

  • 67 g/l Stickstoff
  • 2,68 g/l Bor
  • 20 g/l Kupfer
  • 40 g/l Mangan
  • 1,34 g/l Molybdän
  • 13,4 g/l Zink

In Verbindung mit der empfohlenen Aufwandmenge von 200 ml/100 kg Saatgut und unter Annahme einer Aussaatstärke von 200 kg/ha ergibt das in der Fläche:

  • 26,8 g/ha Stickstoff
  • 1,07 g/ha Bor
  • 8 g/ha Kupfer
  • 16 g/ha Mangan
  • 0,53 g/ha Molybdän
  • 5,36 g/ha Zink


Angelehnt an die oben aufgeführte Berechnung der Stickstoffzufuhr über die Aussaat von 200 kg Winterweizensaatgut ergäbe sich bei zusätzlich mit Mobil behandeltem Saatgut ein im Grammbereich abweichender Wert von 3,647 kg je Hektar.
Zudem sollte beachtet werden, dass der Vorrat an Stickstoff in Kulturböden bis zu 9000 kg N/ha in einer 30 cm tiefen Pflugzone betragen kann. Seine Dynamik ist um ein Vielfaches relevanter für die Stoffstrombilanz als eventuelle Effekte im Bereich des Faktors 1000 unterhalb dieser Werte, hervorgerufen durch die Aussaat bestimmter Kulturen. Saatgut ist zudem grundsätzlich weniger reich an Rohprotein, denn der das Saatgut erzeugende Landwirt (Vermehrer) düngt nicht gezielt auf Eiweißgehalt sondern auf Ertragshöhe.
Auf dieser Grundlage lehnen wir die Einbeziehung von Saatgut und Vermehrungsmaterial in die Verordnung über den Umgang mit Nährstoffen im Betrieb und zur Änderung weiterer Vorschriften strikt ab. Die Effekte bewegen sich in einem so geringen Bereich, dass sie sich in Verbindung mit den in Anlage 2, Tabelle 1 unterstellten Standardwerten eher als Theorie und nicht als umsetzbare Praxis darstellen, die dem ursprünglichen, diesem Verordnungsentwurf zugrunde liegenden Ziel nicht zuträglich sind.

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