Rege Inlandsnachfrage stützt den Weizenmarkt

20.03.2018

BVA erwartet bestenfalls durchschnittliche Ernte und begrenzte Preisfantasie

Berlin - Aufgrund einer kleineren Anbaufläche und teils widriger Wachstumsbedingungen im Herbst erwartet der Agrarhandel selbst bei günstigem Witterungsverlauf bestenfalls eine durchschnittliche Weizenernte 2018 in Deutschland. Das teilt der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA), Berlin, anlässlich seiner Pressekonferenz am Dienstag in Berlin mit. Vor allem auf den norddeutschen Hochertragsstandorten waren im Herbst viele Flächen zu nass, um sie bestellen zu können. Die unbestellten Flächen dürften im Frühjahr mit Sommerungen wie Sommerweizen, -gerste, Mais, Hafer oder Eiweißpflanzen bestellt werden.

Die Winterweizenfläche in Deutschland ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahr deshalb um 4,7 Prozent auf 2,98 Mio. ha gesunken. 2017 hatte die heimische Weizenernte rund 24 Mio. t betragen.Die Preisentwicklung in Deutschland wird davon abhängen, wie sich der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar entwickelt. Die globalen Weizenendbestände und auch die in der EU werden zum Ende des Jahres 2017/18 anwachsen. Das Agrarministerium der USA sieht für die globalen Endbestände ge-genüber dem Vorjahr einen Aufbau von 252,6 auf 269,9 Mio. t. Die Endbestände in der Europäischen Union sollen von 10,8 auf 14,1 Mio. t steigen. Die Chancen auf deutlich anziehende Weizenpreise auf dem Weltmarkt sind deshalb auch in der kommenden Vermarktungssaison begrenzt – vorausgesetzt es kommt in den wichtigen Anbaugebieten zu keinen Missernten.


Lebhafte Inlandsnachfrage und schwaches Exportgeschäft bei Weizen
Nach einer durchschnittlichen Ernte 2017 mit durchwachsenen Qualitäten ist der Weizenmarkt in Deutschland von einer lebhaften Inlandsnachfrage und einem schwachen Exportgeschäft gekennzeichnet. Die Mischfutterindustrie im Nordwesten des Landes hat in den vergangenen Monaten das Preisniveau für Weizen bestimmt. Wegen relativ hoher Preise für Mais und Futtergerste wird in den Mischungen so viel Weizen eingesetzt wie möglich. Auch die Bioethanol- und Stärkefabriken haben mit einer Ausweitung der Produktion zusätzliche Absatzchancen für Weizen eröffnet.
Das Exportgeschäft bleibt bisher deutlich hinter den Mengen der vergangenen Jahre zurück. Nach einer Rekordernte dominiert Russland den internationalen Getreidemarkt. Russischer Weizen profitiert dabei vom schwachen Rubel, während sich deutscher Weizen wegen des stärkeren Euros im Vorjahresvergleich deutlich verteuert hat. Der Euro notierte vor einem Jahr bei rund 1,07 US-$ um 17 Cent niedriger als heute. Der Währungseffekt drückt den Weizenpreis in den deutschen Exporthäfen damit um rund 25 €/t.

Seit November 2017 ziehen die Preise für Weizen in den russischen Exporthäfen am Schwarzen Meer zwar an. Dennoch ist deutscher Weizen heute noch nicht voll wettbewerbsfähig. Ob sich das in den kommenden Monaten noch ändert, hängt vor allem vom Verkaufsverhalten der Landwirte ab, heißt es von Seiten des BVA, zudem erschweren die heterogenen Qualitäten den Export. Während beim Verkauf zu den Mühlen kleine Abweichungen bei Hektolitergewichten, Fallzahlen und Eiweißgehalten durch Preisabschläge ausgeglichen werden könnten, müssen die Vorgaben im Exportgeschäft exakt eingehalten werden. „Der Handel ist als Vermarktungspartner der Landwirtschaft bereit und in der Lage, große, exportfähige Partien zur Verschiffung zusammenzustellen“, betont BVA-Präsident Rainer Schuler. Voraussetzung sei dafür allerdings, dass sich die Erzeuger von der Lagerware trennen. Wenn die Landwirte die sich bietenden Chancen nutzen, sollten nach Einschätzung des BVA keine großen Mengen aus der Ernte 2017 in das neue Wirtschaftsjahr übernommen werden.

Reges Exportgeschäft bei Gerste
Auf dem Gerstenmarkt ist die Situation freundlicher. Hier sorgt vor allem das gute Exportgeschäft für attraktive Preise. Gerste wird im Export inzwischen auf höherem Niveau gehandelt als Futterweizen. Üblich war in den vergangenen Jahren ein Preisabstand von 10 bis 15 Prozent. Die gute Nachfrage aus dem Ausland hat dafür gesorgt, dass die Futtergerste im Norden Deutschlands vermarktet ist. Die Exporthändler und Mischfutterproduzenten müssen sich deshalb aus markferneren Regionen versorgen. Die Landwirte haben bereits im Herbst auf das Marktgeschehen reagiert und den Anbau von Wintergerste um 2,5 Prozent auf 1,26 Mio. ha ausgedehnt. Auch beim Sommergerstenanbau kann wegen der Probleme bei der Herbstaussaat mit einem deutlichen Anstieg der Anbaufläche gerechnet werden. Der Maismarkt in Deutschland profitiert von Einfuhrzöllen, die von der Kommission in Brüssel angehoben wurden, um die Preise auf dem EU-Getreidemarkt zu stabilisieren.
 

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