Klimaschutz und Agrarwirtschaft - kein Zielkonflikt BVA-Editorial für den trendbrief des Grain Club

09.02.2017

Am 14. November 2016 hat das Bundeskabinett nach langem Ringen den deutschen Klimaschutzplan 2050 beschlossen. Der Plan enthält erstmals Klimaziele für einzelne Wirtschaftszweige und gibt so eine Orientierung für strategische Entscheidungen in den nächsten Jahren. Die heimische Landwirtschaft war 2014 für etwa 70 Mio. t CO2-Äquivalente (8 % der Gesamt-THG-Emissionen) verantwortlich, schreibt Arnim Rohwer, BVA-Geschäftsführer. Gemäß Zwischenziel 2030 sollen die Emissionen auf 58 bis 61 Mio. t CO2-Äquivalente sinken. Gerne werden in der aktuellen Diskussion um das Agrarwirtschaftsmodell der Zukunft Produktionsverfahren als klimaschonend dargestellt, die es nicht sind. Eine Begrenzung der Tierproduktion etwa würde sehr wohl zu einer Verringerung der THG-Emissionen führen, bei unverändertem Ernährungsverhalten jedoch nur eine THG-Verlagerung ins Ausland bedeuten. An diesem Beispiel wird deutlich, dass es sich beim Klimaschutz um eine gesamtgesellschaftliche und v.a. globale Herausforderung handelt.

Die Agrarwirtschaft wird ihren größtmöglichen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutz-Ziele leisten. Der Schwerpunkt wird auf Maßnahmen liegen, die sowohl auf Emissionsminderung als auch auf Steigerung der Ressourceneffizienz abzielen. Der Bewertungsmaßstab sollte dabei weniger auf THG-Emission je Hektar als vielmehr auf der Relation zur Produktionsleistung liegen. Das gilt mit Blick auf die knapper werdende landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland umso mehr.

Ansätze sind u.a. effizienter Stickstoff-Einsatz in allen Produktionsschritten und konsequente Umsetzung technischer Möglichkeiten zur Ammoniakminderung. Technischer Fortschritt bis hin zur Digitalisierung wird dabei eine herausragende Rolle einnehmen, wie der Digitalverband bitkom in einem Beitrag dieses trendbriefs aufzeigt.

Die Landwirtschaft beeinflusst nicht nur das Klima, sondern ist vom Klimawandel auch direkt betroffen. Der Temperaturanstieg wird die Produktionsbedingungen weltweit verändern. Deutschland und EU-Nachbarn werden als Gunststandorte landwirtschaftlicher Erzeugung daher eine noch wichtigere Rolle zur weltweiten Ernährungssicherung einnehmen. Bis 2050 wird der Bevölkerungszuwachs auf gut 9,5 Mrd Menschen nach FAO-Schätzung einen Nachfragezuwachs nach Nahrungsmitteln von etwa 60 % nach sich ziehen. Mit Blick auf die UN-Vorgabe einer Welt ohne Hunger bis 2030 und des Klimaschutzplans 2050 ist es umso wichtiger, eine nachhaltige intensive landwirtschaftliche Produktion dort stattfinden zu lassen, wo die besten Anbaubedingungen herrschen. Der freie Agrarhandel wird dabei als Schlüsselsektor flexibel auf Beeinträchtigungen der Agrarproduktion reagieren und zu niedrigeren Produktionskosten und einer höheren Nahrungsmittelsicherheit beitragen. In einem Gastbeitrag des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) wird deutlich, dass es zwischen Klimaschutz und Agrarwirtschaft keinen Zielkonflikt gibt.

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