Gut versorgte Märkte erfordern neue Strategien

05.04.2016

Die sehr gute Versorgungslage auf den Getreidemärkten zwingt die Landwirte ihre Vermarktungsstrategie neu auszurichten. Nach drei Rekordernten in Folge haben die globalen Weizen- und Maisbestände ein Rekordhoch erreicht. In diesem Umfeld gewinnt die kontinuierliche Vermarktung an Bedeutung, erklärt der Präsident des Bundesverbandes Agrar (BVA), Konrad Weiterer anlässlich der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Berlin. Ware in der Hoffnung auf steigende Preise zurückzuhalten, habe in diesem Wirtschaftsjahr nicht zu höheren Erlöse geführt. „Die Lücken haben andere gefüllt“, stellt der BVA-Präsident fest.

Gut versorgte Märkte erfordern neue Strategien
Kontinuierliche Vermarktung gewinnt an Bedeutung

Die sehr gute Versorgungslage auf den Getreidemärkten zwingt die Landwirte ihre Vermarktungsstrategie neu auszurichten. Nach drei Rekordernten in Folge haben die globalen Weizen- und Maisbestände ein Rekordhoch erreicht. In diesem Umfeld gewinnt die kontinuierliche Vermarktung an Bedeutung, erklärt der Präsident des Bundesverbandes Agrar (BVA), Konrad Weiterer. Ware in der Hoffnung auf steigende Preise zurückzuhalten, habe in diesem Wirtschaftsjahr nicht zu höheren Erlöse geführt. „Die Lücken haben andere gefüllt“, stellt der BVA-Präsident fest. So habe sich die Mischfutterindustrie mangels inländischer Offerten mit Getreide aus England, Skandinavien, den baltischen Republiken und Frankreich eingedeckt.

Exportmarkt und Mischfutterindustrie bieten Absatzchancen

In den vergangenen Wochen ist die Abgabebereitschaft der Landwirte gestiegen. Die Weizen- und Gerstenexporte der EU haben an Schwung gewonnen, erreichen aber noch nicht das Niveau der Wirtschaftsjahre 2013/14 und 2014/15. Bis Mitte März hat Deutschland EU-Exportlizenzen für 4,7 Mio. t Weizen und 2,1 Mio. t Gerste gezogen. In der gesamten EU liegen die Weizenexporte mit 22,15 Mio. t aktuell ca. 10 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Gerstenexporte konnten dagegen erneut auf bisher 8,0 Mio. t (+16,7 %) gesteigert werden, vor allem dank einer gestiegenen Nachfrage aus China. Eine Überlagerung von Getreide, wie sie seit Wochen in der Landwirtschaft diskutiert wird, sieht Konrad Weiter kritisch. Landwirte sollten stattdessen die aktuelle Exportnachfrage nutzen, und sich von ihrem noch auf den Höfen liegenden Weizen trennen. Auch die Mischfutterindustrie bietet bis zur Ernte noch Absatzmöglichkeiten. Nach einer kleinen Ernte in der EU ist Körnermais knapp und teuer. In den Rationen wird Mais deshalb so weit wie möglich durch Weizen ersetzt.

Vermarktung der neuen Ernte beginnen

Die Vermarktung der neuen Ernte läuft nur schleppend an. Vorkontrakte erreichen nicht die Mengen aus den Vorjahren, obwohl die Verarbeiter daran interessiert sind, Ware in die Bücher zu nehmen. Auch wenn das Preisniveau im Vergleich zu den vergangenen Jahren niedrig zu sein scheint, rät der BVA-Präsident, Teilmengen zu verkaufen. „Die hohen globalen Bestände werden auch bei einer etwas kleineren Ernte preisdämpfend wirken. Andererseits könnte eine erneut gute Ernte zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben“, gibt Konrad Weiterer zu bedenken. In Deutschland sind nach dem milden und regenreichen Winter derzeit alle Voraussetzungen für eine gute Ernte gegeben. Längere Trockenperioden oder auch zu reichliche Niederschläge können sich jedoch noch negativ auf Ertrag und Qualität auswirken.

Bedauern über Ende des Euronext Premium-Weizenkontrakts Nr. 3

Die Warenterminbörsen schaffen für Landwirte, Handel und Verarbeiter Markttransparenz und bieten die Möglichkeit, frühzeitig Preise abzusichern und so das Risiko zu senken. Gerade in diesem Jahr hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, Geschäfte an der Börse abzusichern. Die hohe Volatilität fordert von allen Marktbeteiligten, sich noch intensiver mit Fragen des Risikomanagements und der Preisabsicherung zu beschäftigen. „Dazu müssen die Börsen aber verlässliche und planbare Rahmenbedingungen schaffen“, fordert der BVA-Präsident. Das plötzliche Einstellen des Euronext Premium-Weizenkontrakt Nr. 3 ist im Agrarhandel mit Bedauern zur Kenntnis genommen worden. Trotz des geringen Handelsvolumens hätte der Kontrakt für einen qualitativ hochwertigeren Weizen eine längere Chance verdient gehabt.

Die Rapsvermarktung ist für dieses Wirtschaftsjahr weitgehend abgeschlossen. Gestützt wird der Ölsaatenmarkt von einem knappen Palmölangebot in Südostasien und der Erholung der Rohölmärkte.

Der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA) ist die Interessenvertretung des privaten Agrarhandels in Deutschland. Unsere Mitgliedsunternehmen bereiten, die von der Landwirtschaft gelieferten Agrarrohstoffe, wie Getreide und Ölsaaten, qualitativ durch Trocknung und Reinigung auf und vermarkten diese Produkte als Nahrungs- und Futtermittel im In- und Ausland. Zudem vertreiben sie sowohl Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel als auch Futtermittel an die Landwirtschaft. Unsere Mitglieder haben eine entscheidende Funktion in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette inne.

 

Kontakt:
Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA)
Arnim Rohwer
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Tel.: 030 / 2790741-0 Fax: 030 / 2790 741-29
E-Mail: arnim.rohwer@bv-agrar.de

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