BVA Einschätzungen nach der Ernte: Handel geprägt durch Zurückhaltung und sinkendem Betriebsmitteleinsatz

25.10.2017

Starker Euro bremst Exportgeschäft
Mit einer jährlichen Exportmenge von 5 bis 6 Mio. t in Drittländer gehört Deutschland zu den wichtigsten Getreideexporteuren. In der Vermarktungssaison 2016/17 sind die Ausfuhren bisher jedoch deutlich kleiner als in den Vorjahren. Nach einer Rekordernte drückt preisgünstiger russischer Weizen auf den Weltmarkt, erklärt Jens Hottendorff, Getreideausschuss-Vorsitzender im Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA). Erschwerend kommt hinzu, dass der seit dem Jahresbeginn 2017 wiedererstarkte Euro deutschen Weizen verteuert, der auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird. Vor allem die traditionellen Handelspartner Deutschlands in Nordafrika und im Mittleren Osten versorgen sich aktuell mit russischem Weizen. Die deutschen Exporteure gehen aber davon aus, dass sich ab dem Beginn des Jahres 2018 bessere Chancen ergeben, weil im Winter die Lieferungen Russlands aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen erfahrungsgemäß deutlich zurückgehen.

Die Exportmengen aus den Vorjahren werden 2017/18 voraussichtlich nicht erreicht werden, schätzt Hottendorff. Denn mit 45,3 Mio. t wurde in diesem Jahr in Deutschland eine leicht unterdurchschnittliche Ernte eingebracht, die um 3,4 Prozent kleiner ausfiel als im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre. Die Weizenernte lag mit 24,5 Mio. t etwa auf dem Vorjahresniveau und nur knapp unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Mit 9 Mio. t übertraf die Wintergerste das bereits gute Vorjahresergebnis knapp und lag um 7,6 Prozent über dem sechsjährigen Mittel. Eine kleinere Anbaufläche und schwache Erträge sorgten für eine deutlich kleinere Roggenernte. 2,7 Mio. t bedeuten gegenüber dem Sechsjahresdurchschnitt einen Rückgang von 25,1 Prozent.

 

Niedrige Naturalgewichte beim Getreide
Ein feuchter Sommer mit vielen Niederschlägen erschwerte die Erntebedingungen und wirkte sich negativ auf die Getreidequalität aus. Die als erstes gedroschene Gerste konnte meist noch mit guten Erträgen und Qualitäten vom Feld geholt werden. Bei Weizen und Roggen sorgten insbesondere niedrige Naturalgewichte für Probleme. Vielfach werden die von den Brotmühlen und Exporteuren geforderten Werte nicht erreicht. Zum Ende der Ernte brachen auch die Fallzahlen ein. Unter diesen Bedingungen waren die Dienstleistungen des Erfassungshandels wie Trocknung, Aufbereitung und Qualitätsanalyse von besonderer Bedeutung. „Für diese schwierigen Jahre hält der Handel die notwendigen Kapazitäten vor“, betont Hottendorff. Die separate Lagerung der verschiedenen Qualitäten sichert die optimale Vermarktung und trägt dazu bei, dass Brotmühlen und Exporteuren die notwendigen Mengen zur Verfügung stehen.

Wegen des weltweit reichlichen Angebotes sind die Weizen-Notierungen an der Matif seit Mitte Juli um rund 20 €/t auf rund 160 €/t gesunken. Die Landwirte halten sich deshalb zurzeit mit der Vermarktung zurück und verkaufen vorwiegend Futtergetreide. „Die guten Qualitäten liegen noch auf den Höfen“, erklärt Hottendorff weiter. Dies gilt insbesondere für Roggen. Wegen des knappen Angebotes an Brotroggen sind die Preise gegenüber dem Vorjahr stark gestiegen und liegen derzeit deutlich über denen von Brotweizen. Die Verbraucher werden das jedoch kaum zu spüren bekommen, denn der Anteil der Erzeugerpreise am Brotpreis ist mit wenigen Cent sehr gering.

 

Rapsanbau verliert an Attraktivität
Beim Raps wurde 2017 die zweite schlechte Ernte in Folge eingebracht. 4,3 Mio. t bedeuteten gegenüber 2016 einen Rückgang von 5,9 Prozent. Der sechsjährige Durchschnitt wurde um 14,6 Prozent verfehlt. Neben widrigen Witterungsbedingungen waren auch Krankheiten und Schädlingsbefall für das unterdurchschnittliche Ergebnis verantwortlich. Die Bekämpfung von Kohlfliege und Erdfloh ist durch das Verbot der Neonicotinoiden erschwert. Die daraus resultierenden Ertragsverluste machen den Rapsanbau unwirtschaftlicher. „Viele Landwirte sind anbaumüde und reduzieren den Rapsanbau. Diese Entwicklung ist für eine gesunde Fruchtfolge ungünstig“, erklärt dazu Jens Hottendorf, Vorsitzender des BVA-Getreideausschusses. Trotz der schwachen Ernte in Deutschland ziehen die Rapspreise nicht an. Eine komfortable weltweite Sojaversorgung und eine große französische Rapsernte wirken preisdämpfend.

 

Beizung mit Mikronährstoffen praxisgerecht regeln
Für die Aussaat zur Ernte 2018 erwartet der BVA in Deutschland keine großen Verschiebungen zwischen den Kulturen. Beim Weizen wird ein zunehmender Anbau von A- und E-Sorten gesehen. Landwirte regieren damit möglicherweise auf die Einschränkungen bei der Stickstoffgabe, die durch die neue Düngeverordnung notwendig werden. Bei der Umsetzung der neuen Düngeverordnung fordert der BVA praxisgerechte Lösungen. „Eine eindeutige Regelung ist für die Zulassung von Mikronährstoffbeizungen in der Herbstaussaat notwendig“, fordert BVA-Vorstandsmitglied Jörg Hartmann. Auch bei der Berechnung des Saatgutes in der Stoffstrombilanz fordert der BVA Regelungen, die mit einem vertretbaren Aufwand angewendet werden können. Wegen der geringen Nährstoffmengen ist es aus Sicht des Verbandes völlig ausreichend hier mit kulturartspezifischen Standardwerten zu arbeiten. „Eine Deklarationspflicht für die Proteingehalte auf jedem Lieferschein für Saatgut ist überflüssig und würde enorme Koste verursachen. Die Politik entfernt sich mit solchen Überlegungen immer weiter von der Praxis und dem ursprünglichen Ziel, den Düngemitteleinsatz effizienter zu gestalten“, stellt der BVA-Saatgutexperte fest.

„Die Saatgutqualität ist trotz der schwierigen Witterungsbedingungen zur Ernte gut“, stellt Hartmann fest. Auch beim Saatgut fallen kleine Naturalgewichte auf, die sich in niedrigeren 1.000-Korn-Gewichten niederschlagen. Die Anerkennungsquoten bei der Saatgutprüfung liegen auf einem durchschnittlichen Niveau. Insgesamt werden deshalb für alle Kulturen ausreichende Saatgutmengen angeboten, bei einzelnen Sorten könne es dennoch zu Engpässen kommen.

 

Sinkender Absatz für Pflanzenschutz- und Düngemittel
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland weiter Rückläufig. 2016 sanken sowohl der Absatz des Großhandels als auch der Verbrauch in der Landwirtschaft. Die Verkaufsmengen der Industrie gingen noch deutlicher zurück, weil der Handel im vergangenen Jahr Lagerbestände abbaute. Nach dem ersten Halbjahr 2017 zeichnet sich ab, dass auch in diesem Jahr weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ein Grund dafür sind deutlich niedrigere Verkaufszahlen bei Sonderkulturen. Frostschäden hatten im Frühjahr im Obstbau regional zu großen Ausfällen geführt.

Bei der Zulassung von neuen Pflanzenschutzmitteln fordert der BVA kürzere Verfahren. Dies gilt auch für die Wiederzulassung von Glyphosat. „Wir fordern, dass eine Entscheidung getroffen wird, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert“, erklärt Dr. Hans-Bernhard Overberg, Vorsitzender des BVA-Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelausschusses.

Mit der Umsetzung der neuen Düngeverordnung ist in Deutschland mit einem sinkenden Düngemittelabsatz zu rechnen. Die Einlagerung von Stickstoffdüngern im Großhandel war im Sommer von günstigen KAS-Angeboten osteuropäischer Hersteller geprägt. Harnstoff wird aktuell zu höheren Preisen gehandelt, der Markt ist entsprechend ruhig. „Insgesamt hat der Großhandel in diesem Jahr zurückhaltender eingelagert“, erklärt Dr. Hans-Bernhard Overberg, BVA-Ausschussvorsitzender Pflanzenschutz & Düngemittel, dazu. Die Phosphatpreise sind stabil. Die Einlagerung von DAP für die Frühjahrsaussaat hat begonnen und wird sich über den Winter fortsetzen.

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